Essen ist Leben

Einige von euch hatten den gestrigen Post schon gelesen, bevor ich ihn wieder gelöscht habe. Er war mir irgendwie zu unfertig. Also schreibe ich ihn nochmal 🙂

Ich geize ja doch mit Infos zu meinem Privatleben und derzeit ist das für mich auch gut so. Aber ich habe einige Erfahrungen machen müssen, die ich eigentlich gerne teilen will, da ich der Meinung bin, dass es anderen vielleicht auch so ergeht. Dies ist ein Foodblog und es geht hier ums Essen. Aber nicht immer und für jeden ist Essen Freude, Genuss und Spass. Für viele ist Essen täglicher Kampf. Ein Kampf gegen den eigenen Körper, gegen den Kopf, gegen sich selbst. Auf Essen wird Emotion projiziert und unser Körper wird unser Feind. Viele junge Menschen gelten heute als Essgestört und meist wird dies mit dem vorherrschenden Schlankheitswahn assoziiert. Dabei können auch ganz andere Dinge ein gesundes Essverhalten stören und das natürliche Hunger und Sättigungsgefühl langfristig zerstören und dies verhindert den Weg zurück zu einem gesunden Essverhalten. Heute möchte ich euch meinen Weg zeigen, auch wenn dass einem Seelenstripteas gleicht.

Mit etwa 9 Jahren begann ich mich über meinen ständig aufgedunsenen Bauch zu ärgern. Ich war nie dick in meiner Kindheit, da ich immer aktiv war und nach Hunger und Sättigung gegessen habe. Jedoch war mein Bauch schon immer geblähter als bei anderen, dass kann man auf jedem Kinderfoto erkennen. Da ich immer zu den Größten gehört habe, hat sich um mich auch niemand Sorgen gemacht, ich könnte eine Nahrungsmittelunverträglichkeit haben.

Mit 10 bekam ich dass erste mal meine Menstruation. Sehr früh und sehr typisch für das Krankheitsbild unter dem ich seither litt. Dass erfuhr ich aber erst 12 Jahre später. Seit meiner ersten Menstruation begleiteten mich schier unerträgliche Bauchschmerzen. Ich lag teilnahmslos rum und konnte mich vor lauter Krämpfen nicht auf den Beinen halten. Zwei Tage ging das so, bis es endlich besser wurde. Jeden Monat das gleiche Spiel.

Da starteten meine Essprobleme.

Nachdem ich vom Kinderarzt nicht wirklich ernst genommen wurde und mit „psychisch bedingten Bauchschmerzen“ nach Hause geschickt wurde, beschloss ich, niemanden mehr von meinen Schmerzen zu erzählen. So begann ich, alles in mich reinzufressen, den Schmerz, den Kuchen, die Bäckerteilchen, ect.

Über die Jahre nahm ich natürlich zu, jedoch nie so viel, dass ich wirklich Dick war. Ich stand gut im Futter. Jedoch, als knapp 14-Jährige störte mich diese Speckschicht enorm. Klar, mit 14 stören einen sogar die Haare auf dem großen Zeh… Ich begann also abzunehmen. Und ich nahm ab. Sogar recht gut. 14 Kilo purzelten in einem Jahr und mit 15 war all mein Babyspeck weg. Aber die Bauchschmerzen waren geblieben.

Ich mochte meinen neuen dünneren Körper. Und ich wollte auch gar nicht weiter abnehmen. Bis ich in einem Buch las, dass man ab eine bestimmten Körperfettgehalt keine Menstruation mehr bekommt. Dass war meine Lösung!

Lange Rede, kurzer Sinn. Mit knapp 17 hatte ich einen BMI von 13,5 und beschloss, dass es so nicht weiter gehen kann. Es folgte ein 3 Monatiger Klinikaufenthalt in dem ich das Essen wieder erlernen sollte und die Ursachen meiner Anorexie herausfinden sollte. Ich ass wieder. Aber das Warum blieb lange offen. Ich fühlte mich nie wohl in dieser Zeit, den tief in mir, wusste ich, irgendwas anderes stimmt da nicht. Und ich sollte Recht behalten!

Mit 19 wurde bei mir Zöliakie diagnostiziert und mit 22 bekam ich nach 12 langen Jahren endlich die Diagnose Endometriose! Mir viel ein Gebirgsbrocken vom Herz. Endlich wusste ich, dass die Schmerzen physischer Natur waren und nicht psychischer! Ich wurde noch im gleichen Jahr, nach der Endometriose-Op schwanger. Auch wenn dieser Umstand nicht geplant war, unsere Tochter ist ein absolutes Wunschkind.

Mein Essverhalten war lange Zeit sehr ambivalent. Ich liebe Essen und habe Essen schon immer geliebt, daher esse ich auch sehr gerne. Aber der Weg zurück zu einem normalen Essverhalten, also einer Nahrungsaufnahme nach Hunger und Sättigung, der war steinig und lang.

Heute nach so vielen Jahren, kann ich endlich wieder auf meinen Körper vertrauen. Ich kann wieder nach Hunger essen, nicht mehr nach Uhrzeit, Kalorienvorgabe oder sonstigem. Ich esse, wenn ich Hunger habe und höre auf, wenn ich Satt bin.

Was sich so unglaublich leicht anhört war ein langer Lernprozess. Aber ich wage zu behaupten, dass er endlich abgeschlossen ist. Nahrung ist kein Feind mehr. Sie ist schlicht Lebensnotwendig.

Probiert es aus, hört hinein in euren Körper. Hört hinein in EUCH. ESST wenn ihr HUNGER habt und HÖRT auf wenn ihr SATT seid. Es dauert eine Zeit, bis ihr gelernt habt euch wieder zu vertrauen, aber diese Zeit, die ist es Wert.

Hört auf euch vor Nahrung zu fürchten. Essen ist Freude. Essen ist Genuss. Essen ist Leben.

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10 Kommentare

  1. Hallo meine Liebe,
    das klingt nach einem harten Weg, den du hinter dir hast. Ich beglückwünsche dich dazu, dass du es geschafft hast, inzwischen ein normales, gutes Verhältnis zum Essen zu haben :-). Ich kann nur ahnen, wie schwierig das gewesen sein muss. Als jemand, der das Essen sehr liebt und den Wert einer selbst zubereiteten Mahlzeit sehr zu schätzen weiß, freue ich mich, dass es dir – inzwischen – ganz genauso geht!
    Liebe Grüße
    Kirschbiene

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    1. Liebe Kirschbiene,
      vielen Dank für deine lieben Worte. Ja der Weg war hart, aber er war es wert.
      Ich habe Essen schon immer geliebt, das hat mir sicher auf dem steinigen Weg geholfen 😉
      Alles Liebe
      Lucy

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      1. Dann freue ich mich auf viele weitere schöne Rezepte von dir, denen man die Liebe zum Essen anmerkt :-). Hab eine schöne Weihnachtszeit!
        Liebe Grüße
        Kirschbiene

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  2. veg.fruitia · · Antwort

    Schön, dass du deinen Weg mit uns teilst. Ich kann mir vorstellen, dass das ein grosser Schritt für dich wahr aber genau so gut kann ich mir vorstellen, dass sich viele wieder in deinen Worten sehen (wie ich zum Beispiel). Ich freue mich, dass es dir nun wieder besser geht und du ein anderes Verhältniss zum Essen erlangen konntest. Weiterhin viel viel Kraft!

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    1. Vielen Dank für deine Worte. Ich hoffe du hast deinen Weg auch gefunden!
      Alles liebe

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  3. Liebe Lucy,
    puh, jetzt muss ich erstmal kurz durchatmen…am Liebsten würde ich dich jetzt in den Arm nehmen! Danke für deine offenen Worte – es ist soooo wichtig über dieses Thema zu reden/zu lesen/zu sprechen/zu schreiben.
    Ich habe selber jahrelang in meiner Jugend unter Essstörungen gelitten und kann daher vieles von dem, was Du schreibst nachvollziehen. Es macht mich stinkewütend, dass niemand über so viele Jahre hinweg dein Leiden gesehen hat, obwohl es dir wahrscheinlich viel erspart hätte…Umso schöner, dass du es geschafft hast, wieder einen gesunden und genussvollen Zugang zum Essen und vor allem zu dir zu finden 😀
    Deine Worte „Essen ist Leben“ treffen es einfach auf den Punkt.
    Und es macht einfach so so so viel Spaß, mit Freude und Genuss zu essen und sich lebendig zu fühlen. Dass es dir mittlerweile wieder Spaß macht, merkt man mit jeder Faser deines blogs 🙂
    Danke dafür! Ich umarme dich gedanklich und freue mich auf noch viele weitere tolle Rezepte!
    Alles Liebe,
    Isa

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    1. Liebe Isa,
      es erschreckt mich immer wieder, wie viele Leute doch damit kämpfen und niemand traut sich darüber zu sprechen. Ich finde es wirklich toll, dass auch du deine Essstörung überwunden hast, den auch dein Blog sprüht vor Liebe zum guten Essen!
      Ich danke dir für deine herzlichen Worte! Sie tuen sehr gut, denn der Weg war lang und hart.
      Ich wünsche dir und deiner Familie ein wundervolles neues Jahr, Gesundheit, Zufriedenheit und jeden Tag richtig gutes Essen 🙂
      Alles Liebe
      Lucy

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  4. Wow. Dieser Artikel hat mich wirklich berührt. Toll, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst – und das auf so eine sensible Art und Weise.

    Ich habe mich in deinen Ausführungen teilweise wiedergefunden und kann sehr gut nachvollziehen, wie schwer der Weg für dich bis heute gewesen sein muss. Bis ich zu einem gesunden Essverhalten gefunden habe, hat es bei mir ebenfalls bis in meine 20er hinein gedauert. (Und das, obwohl ich keine Zöliakie habe.)

    Ich bin froh, dass du nun motiviert, reflektiert und zuversichtlich auf deine Geschichte zurückblicken und gleichzeitig im Hier und Jetzt leben kannst. Das ist eine tolle Entwicklung, auf die du stolz sein darfst! 🙂

    Liebe Grüße!
    Jenni

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    1. Liebe Jenni,
      ich freue mich, dass dir Artikel gefällt. Es freut mich sehr, dass du auch deinen Weg „Raus“ gefunden hast. Ist es nicht erschreckend, wie verbreitet das Problem ist und wie sehr es doch verschwiegen wird? Wir sollten ALLE stolz auf uns sein! Egal wie lange unser Weg, zu einem gesunden Essverhalten war oder wie lange er noch dauert.
      Ich danke dir für deine Lieben Worte!
      Alles Liebe
      Lucy

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      1. Hallo Lucy,

        da hast du sehr recht. Ich finde es daher umso besser, dass das Thema von mutigen Menschen wie dir doch ein bisschen Gehör findet. Und ja: Wir sollten alle stolz sein! 🙂

        Ich habe übrigens heute gerade ein interessantes Kapitel in einem Buch über Essstörungen gelesen, in dem die Verbindung zur Tierwelt gezogen wird und der Faktor der Angst und neuronale Verknüpfungen, die zu verändertem Essverhalten führen, sehr stark betont werden. Das finde ich faszinierend – gibt das doch Einblick in die lange für so einzigartig kompliziert gehaltenene menschliche Psyche.

        Liebe Grüße
        Jenni

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